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Quick – Kein Rückgrat ist keine Meinungsfreiheit

Wir müssen reden, wir müssen mal ein paar Begriffe klar kriegen. Warum ist das wichtig? Weil wir als Gesellschaft jegliches Rückgrat verloren haben, weil wir statt wehrhaft demokratisch scheiß-egal-liberal geworden sind.

Das hat, wenn ich sehr positiv denke, mit dem völligen Missverständnis des Grundrechts auf Meinungsfreiheit zu tun. Ich wünsche mir, dass es ein Missverständnis ist, ich weiß aber auch, dass „Meinungsfreiheit“ oft ein Feigenblatt ist, mit dem Menschen ihre Menschenfeindlichkeit kaschieren wollen. Aber lösen wir erst mal das mit dem Missverständnis auf: Bei Meinungsfreiheit geht es um das Recht, seine Meinung frei sagen zu dürfen. Der Staat darf Menschen nicht wegen ihrer Meinung verfolgen. Er darf ihnen nicht verbieten, ihre Meinung zu sagen.

Das hat natürlich eine Grenze da, wo die vermeintliche Meinungsäußerung ein Verbrechen beinhaltet, zum Beispiel Drohungen und Beleidigungen. Die Grenze muss klar sein, dafür haben wir ein Grundgesetz, dass jedem Menschen seine Würde garantiert. Wenn Menschen anderen Menschen mit dem Wiedereröffnen von KZs drohen, dann ist das natürlich keine Meinung, sondern eine Drohung, dass Massenmord ins Haus steht. Das ist keine Meinung, das ist ein Angriff auf die solidarische Gesellschaft und die Verfassung. Da muss der Staat eingreifen und wenn er es nicht macht, dann vergisst er seine Pflicht und seine Orientierung an eben der Verfassung.

Meistens sagt der Staat nicht wirklich viel zu Meinungsäußerungen, und das ist auch okay. Wie gesagt, der Staat darf sich da nur einmischen, wenn es einen wirklich triftigen Grund gibt. Das ist superwichtig. Niemand, den ich politisch zurechnungsfähig halte, würde zurück zur Zensur wollen. Das ist übrigens auch so ein oft falsch verstandenes Wort: „Zensur“ Es handelt sich dabei um staatliche Behörden, die sich angeschaut haben, was so publiziert wurde, und alles verboten haben, was ihnen nicht passte. Es wird auch so verstanden, dass der Akt des Verbietens „Zensur genannt“ wird. Warum gehe ich da so genau drauf ein? Ganz einfach, weil es so oft falsch verwendet wird. Wenn hier unter diesem Blogpost jemand Unsinn postet, dann ist es natürlich keine Zensur, wenn ich diesen Kommentar nicht veröffentliche. Das ist keine Zensur, weil ich kein Vertreter des Staates bin. Ich bin nur der Betreiber des Blogs. Damit bin ich hier Hausherr und wenn jemand Sachen schreibt, die ich doof finde, dann brauch ich die nicht veröffentlichen. Wenn ich jemanden in meine Küche lasse, heißt das schließlich auch nicht, dass ich ihm erlauben muss, auf den Herd zu kacken.

Wenn jemand in seinem eigenen Blog schreibt, wie blöd er meinen Text hier findet, dann ist das total in Ordnung. Wer mich der Zensur bezichtigt, weil ich einen Kommentar nicht freischalte, dann hat derjenige einfach nicht kapiert, was Zensur ist. Wer mir sagt, dass ich etwas zulassen muss, weile es ja Meinungsfreiheit gebe, den muss ich leider auslachen – ich verhindere ja nicht, dass jemand etwas sagt, ich verhindere nur, dass er mir auf den Herd kackt. Ich verbreite hier doch nicht den Müll, den andere hier abladen wollen.

Und ich wünschte, dass viel mehr Menschen und auch eine Menge Institutionen ihre Verantwortung ernst nehmen würden, und von ihrem Hausrecht Gebrauch machen. Es gibt keinen Grund, dass Google/Youtube jede Menge Gedankengut verbreiten und auf ihren Seiten dulden, die gegen die Grundwerte unserer Gesellschaft gerichtet sind. Die anderen Menschen die Würde nehmen. Man muss auch sonst nicht jeden Müll zulassen. Wer historische Fakten, ob es um den Holocaust oder die Mondlandung geht, negiert, den verbreitet man nicht. Wer von großen Verschwörungen um Chemtrails oder 9/11 fiebert, der kann das auf der Seite vom Kopp-Verlag tun, den muss man doch nicht in eine Uni einladen oder auch nur auf Youtube oder in Facebook eine Plattform bieten. Wir brauchen Rückgrat! Wir sollten keinen Müll und noch viel weniger Verbrechen zulassen, nur weil wir das mit dem Feigenblatt Meinungsfreiheit äußerst dürftig begründen – natürlich geht es Facebook und Google um die Werbeeinnahmen. Und wenn Amazon zwar jetzt KZ-Akif nicht mehr verkauft, dafür aber den rassistischen Dreck von Sarrazin und Konsorten natürlich weiterverbreiten, dann liegt das nicht an Meinungsfreiheit, sondern am Gewinnstreben.Aber wo sollen Konzerne denn Rückgrat her haben, wenn die Gesellschaft keines hat?

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Quick – Zensur in der Grundschule

Schreiben, so lange der Zorn noch raucht. Ein befreundeter Autor, der wie ich als Künstler in Schulen geht, und dort im Gegensatz zu mir – ich mach da Theater – mit Grundschulkindern Bücher schreibt, erzählte mir gerade chattend die Geschichte seines letzten Projektes. Und wie sagt man in Bonn? Nun habe ich einen Hals von hier bis Koblenz! (Ja, auf Bönnsch klingt es besser)
Was also war passiert? Ein kleiner Junge, wie gesagt, Grundschüler, hat eine kleine unheimliche Geschichte geschrieben, in der fast nebenbei zwei Personen Sex haben, und oh Wunder, dabei nackt sind. Beide Worte, „nackt“ und „Sex“ hat der Junge dabei benutzt, und weil der Kollege nichts von Zensur hält, hat er die Geschichte mit ins Buch übernommen. Er sagt, klar, das ist keine gute Geschichte, aber es ist nun mal in dem Kindd vorhanden, also druck ich es auch ab.
Wir arbeiten für das NRW-Landesprojekt Kultur und Schule, und damit folgt er durchaus dem, was wir als Künstler tun sollen. Wir werden vom Land dafür bezahlt, als Künstler in die Schulen zu gehen, künstlerisch und nicht pädagogisch zu denken, und dieses Denken auch den Kindern zu vermitteln. Wenn man also die Grundidee hat, die Schreibergebnisse von Kindern zu einem Buch zu machen, dann müsen auch die dunklen Geschichten, die in Kindern auch zu Hause sind, mitveröffentlicht werden. Alles andere wäre inkonsequent.
Als das Buch dann allerdings der Schulleiterin in die Hände fiel, wurden Kind und Künstler scharf angegriffen, man ging mit einem Edding ans Werk, das Anstößige zu tilgen. Der Junge wurde bloßgestellt.
Ich frage mich, wie gar nicht so selten, was manche Leute sich erlauben und was sie meinen, was man Kindern vorleben soll. Zensur ist furchtbar, das Kind tut mir leid, der Kollege natürlich auch, kein Wunder, dass er kaum noch Motivation fühlt, sein diesjähriges Projekt (glücklicherweise an einer anderen Schule) anzutreten. Offenbar geht es der Schulleiterin nur um die Fassade, die man nach Außen zeigt. Sicherlich hätte sie sich gerne mit einem braven Buch geschmückt, auch wenn sie zum Gelingen des Projektes nichts beigetragen hat – das gab es nicht und so heißt es jetzt „Schadensbegrenzung“ statt einfach mal zuzulassen, dass Kinder auch mal ihre schwierigen Gedanken auf Papier und in die Öffentlichkeit bringen.
Was bringt man mit einer solchen Aktion denn Kindern bei? Dass es besser ist, über „sowas“ nicht zu sprechen? Dass man „sowas“ nicht tut? Aus welchem Mittelalter ist die Frau entlaufen?

Quick – Keine Verleumdungen bitte, Herr zu Guttenberg

Der eine oder andere mag es gemerkt haben, ich bin, wie viele andere auch, dem Stoppschild im Internet feindlich gesinnt, und für mich hat sich Zensursula von der Leyen mit dem Gesetzentwurf kräftig jeglicher Ernstnahme entzogen. Wer so einen populistischen und antigrundgesetzlichen Gesetzentwurf gestaltet und sich damit auch noch als Bekämpferin der Kinderpornografie feiern lässt – Leute, die mehr davon verstehen, können sehr schön belegen, dass die wenigen Kinderpornografiehändler im Internet durch dieses blöde Stoppschild nur gewarnt werden und schnell servertechnisch umziehen können, wenn ihnen jemand auf die Spur kommt – es geht hier also eher um die Unterstützung von Kinderpornografie … aber wie gesagt, da verstehen andere Leute mehr von …
Auf jeden Fall sah ich vorgestern mit Erstaunen einen Ausschnitt aus „Zapp“ vom NDR, in dem die ganze Problematik durchaus sinnvoll erklärt wurde – kurz jeder konnte sehen, wie blödsinnig diese ganze Sache ist.
Dabei gab es auch ein kurzes Interview mit Wirtschaftsminister zu Guttenberg, und dieser gelackte CSUler zeigte gleich ganz unbekümmert, dass es ihm egal ist, wen er vor den Kopf stößt. Ohne mit der getuschten Wimper zu zucken, stellte er über achtzigtausend Unterzeichner der Petition gegen das Zensursula-Gesetz als Sympathisanten und Unterstützer der Kinderpornografie dar, na danke!
Lieber Herr zu Guttenberg, sicher haben sie die Petition nicht gelesen, in der ja ausdrücklich steht, dass jeder Kampf gegen die Kinderpornografie unterstützt wird, sicher haben sie auch kein intimeres Wissen über die technischen Probleme – hab ich auch nicht, da bin ich total ehrlich – aber haben sie noch nie von Dieter Nuhr gehört? Der Spruch war für sie!!
Welcher Spruch? Na der:
Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal Fresse halten!

Das ist nichts weniger als eine Verleumdung aller Mitbürger, die die Petition unterschrieben haben – also auch eine Verleumdung meines einen … ich werbe sogar in diesem Blog dafür, die Petition zu zeichnen. Keine gute Erziehung in adeligen Häusern heutzutage? Also ich habe im Arbeiterhaushalt ein bisschen Erziehung mitbekommen. Ich sag nicht, dass alle Adelssprösslinge langen inzestuösen Ahnentafeln entstammen, ich versteh davon nämlich nichts. So viel Erziehung sollte schon sein …

Quick – Stopschild im Internet

Hm, wenn man so blogt und ein bisschen mitverfolgt, was andere so in ihren Blogs schreiben, dann wird man ein bisschen aufmerksamer in Bezug auf so manches Internetthema – und davon kochen in letzter Zeit einige hoch. Nun also Stopschilder im Internet, Internetsperren. Die sollen natürlich nur gegen Kinderpornographie eingesetzt werden, klar. Jetzt frage ich mich, ob es nicht schon lange geht, dass wenn Seiten illegal sind, diese von den Providern vom Netz genommen werden können, ja sogar müssen. Wenn dem so ist, ist die Diskussion völliger Blödsinn.
Aber auch sonst ist diese Diskussion Blödsinn, wie soll man es anders sagen. Da werden Sperren ins Netz gebaut, und bei Youtube gibt es ein Video, wie man solche Sperren innerhalb von weniger als einer Minute ausschaltet – na, herzlichen Glückwunsch, da sind wir ja ganz doll up to date, was?
Was viel schlimmer ist: Das geht mir ganz prinzipiell viel zu sehr in Zensurrichtung, und Zensur ist gegen das Grundgesetz – was ist denn, wenn plötzlich kritische Blogs gesperrt wird, weil man sie dringend der Kinderprostitution verdächtigt? Wie kann man denn das Gegenteil beweisen? Nein, mit sowas spielt man nicht!! Finger davon!
Nun, es gibt in diesem Jahr zwei bis drei Wahlen, und da sollte man mal ganz dringend darauf schauen, wer für diesen Quatsch verantwortlich ist. Von der Partei des Herrn Schäuble – der offenkundig auf der falschen Seite der Mauer geboren wurde, bei der Stasi hätte der ein tolles Feld zur Selbstverwirklichung gehabt – erwartet man keine besondere Freundschaft zum Grundgesetz mehr – aber die SPD zieht da ja mit … da kann man ja auch Konsequenzen draus ziehen, wenn man wählt.
Übrigens halte ich Kinderpornographie für ein genauso aufgebauschtes Problem wie Amokläufe – keine Frage, beide Sachen sind nicht gut, und müssen natürlich moralisch verurteilt sein – aber im Vergleich mit früheren Zeiten ist Kindesmissbrauch garantiert viel seltener, wie auch Amokläufe seltener geworden sind – nur die mediale Aufarbeitung wird immer heftiger. Und dabei ist diese Berichterstattung – sowohl über Missbrauch als auch über Kinderpornographie absolut bigott. Es wird immer noch lauter geschrieen – und zwar viel lauter – wenn es Jungen sind und die von Männern missbraucht werden, schließlich kann man es ja bei Mädchen viel besser verstehen und eigentlich ist das so wie bei AIDS, schuld dran sind die Schwulen. Bei Jungen reicht der Missbrauch zum Artikel, bei Mädchen muss es mindestens Entführung sein, besser noch ein Mord – sonst gruselt es nicht genug. Der vielfache Missbrauch, den es leider immer noch gibt, soll das hier auf keinen Fall beschönigen, aber die Berichterstattung macht es ja nicht besser, bauscht an der falschen Stelle auf. Nein, so schlimm jeder Missbrauch ist, und ja, man kann da nicht genug aufklären – die Panikmache, das Hochkochen, das lenkt nur von den wirklichen Problemen der Welt ab.