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Zwischenruf – Artistik …

Aus quasi unerfindlichen, immer wiederkehrenden Gründen war ich gestern im Phantasialand, und in diesem Jahr habe ich mal wieder die große Show im Wintergarten namens Arachnomé gesehen – mache ich nicht immer, so manche Show verpasst man im Achterbahnentroubel, aber in diesem Fall war es ein netter Abschluss eines Freizeitparktages.

Bei dieser Varieteshow gibt es ein bisschen Illusion zu sehen – wie kommt die Frau jetzt durch die Stahlplatte? -, dazu ein Schlangenmädchen, ein paar chinesische Akrobaten und einige Tänzerinnen, die irgendwie der rhythmischen Sportgymnastik entlehnt zu sein scheinen. Alles sehr hübsch, alles in tollen Kostümen, gut durchdacht und mit Musik geschmückt, die sehr verschiedene Qualitätsgrade hatte. Es wird sogar versucht, so etwas wie ein Geschichte zu erzählen, was durchaus nicht üblich ist, für so geartete Shows.

Trotzdem merkte ich, wie ich mich nicht so recht konzentrieren konnte … war es der leckere Schokladenkuchen oder die heftigen Verwindungen in den Achterbahnen – ich konnte zeitweise die Augen nicht so recht aufhalten – okay, in früheren Jahren habe ich auch schon mal zehn Minuten einer ähnlichen Show schlicht verpennt, das ist also kein Einzelfall – vielleicht sollte ich mir eine DVD davon besorgen und ich würde bald keine Einschlafprobleme mehr kennen …

Ich frage mich nun also, wieso das so ist – gut, es wurde nicht jongliert, was mich sicherlich am meisten interessiert hätte, weil ich da zumindest die Grundlagen auch beherrsche, aber das ist kein guter Grund. Es ist auch nicht so, dass ich nicht bewundern würde, was Menschen mit ihren Körpern so anfangen können, und da gab es einiges zu sehen, was wirklich toll war. Aber fesseln konnte es mich nicht …

Ich glaube, das liegt hauptsächlich an der Präsentationsweise. Erstens gibt es bei allen diesen tollen Akrobaten, Tänzern und Athleten furchtbare Manierismen – jede Bewegung muss tänzerisch zu Ende geführt werden, alle wirken künstlich, weil jede Bewegung künstlich ist. Zweitens ist alles in Farben und Glitter eingezwängt, hier gibt es immer ein bisschen zu viel von allem.

Eine einzige Nummer, die ein bisschen Natürlichkeit eingefügt hätte, wäre für mich eine Erlösung gewesen. Irgendwas, das echt gewirkt hätte – so konnte mich nichts anrühren. Erschlagen von hübschen, aber nichtssagenden Bildern will das Auge einfach Ruhe und zieht die Läden vor – ich glaube, diese Kunstform ist an sich irgendwie in ihrer Künstlichkeit völlig erstarrt, nur sehr selten sieht man Artisten, die mit den Tausenden von pailettenbestickten Klischees aufräumen, und einfach mal einen ganz einfachen und naheliegenden Weg bestreiten – und damit wieder Augen zum leuchten bringen – und nicht zum Schlafen …

Zwischenruf – Missionarischer Eifer

Kennt ihr das Gefühl? Ihr habt ein Buch gelesen, dass euch von der ersten Seite an elektrisiert hat? Ihr habt einen Film gesehen, der euch lachen und weinen gemacht hat – uih, das ist doch mal eine schlechte Lehnübersetzung aus dem Englischen … -, ein Lied gehört, dass euch ganz tief im Inneren berührt hat, und jetzt? Na, das muss doch verbreitet werden, das muss doch jetzt jeder sehen, hören, lesen …

Mein Bücherschrank sieht auch dementsprechend aus, ständig gibt es große Lücken, weil ganze Serien ausgeliehen sind, meine DVDs und CDs geistern durch die Hände von Schülern und Freunden, und nicht zuletzt bekommt auch jeder E-Mails mit irgendwelchen Links zu großartigen Youtube-Geschichten (einfach mal „Rapante“ und „dead terrorist“ eingeben, alles großartig …) oder sonstigen Internetbesonderheiten.

Die Sache mit den Büchern ist natürlich so eine zweischneidige. Einerseits weiß ich, dass meine Bücher ihren Dienst tun, also gelesen werden, was ihnen garantiert viel mehr Spaß macht, als irgendwo herumzustehen und zu liegen, andererseits habe ich mir mit der Zeit das eine oder andere Buch schon zum zweiten Mal gekauft, weil ich es auch mal lesen wollte, und wenn man dann Bücher zurückbekommt, sehen sie halt gelesen aus … aber genau das finde ich auch großartig – also nicht, dass ich Bücher noch mal kaufen muss -, Bücher müssen gelesen aussehen, geliebt, meinetwegen auch mit einem Tesastreifen geflickt. Also nehme ich die seltenen Verluste in Kauf, auch weil ich weiß, dass ich mit meinen Büchern einfach für Freude sorgen kann, weil ich gerne mit Freunden über Bücher und Filme und was sonst noch kommt rede.

Interessanterweise halte ich Missionierung im religiösen Bereich für eine unglaubliche Arroganz dem Missionierten gegenüber, lehne jegliche Mission absolut ab, bin aber selbst begeisterter Missionar, sobald es um wichtige kulturelle Inhalte geht. Also fühlt euch missioniert: Lest, schaut, geht ins Theater, ins Kino, ins Museum, BILDET EUCH! Alles andere ist verschwendetes Leben …

Zwischenruf: Anwälte sind schlimme Finger – ja, klar, wissen wir …

Ja, hier geht es denn wieder um einen Film, um „Michael Clayton“ nämlich. Dieser von George Clooney gespielte skrupellose Ausputzeranwalt bekommt über die Länge eines Films so etwas wie ein Gewissen. Was sagt uns dieser leider nur mäßig spannende Film? Das Anwälte fiese Menschen sind, und nur George Clooney ein Gewissen hat? Dass das Justizsystem der USA eigentlich nicht  funktioniert, aber letztlich von einem braven Mann, der noch mal den dreh bekommt, durchaus gerettet wird? Och Leute, was soll denn das? Erstmal ist das doch eigentlich alles schon bekannt. Meine Güte, in „Erin Brockovich“ geht es um das gleiche Thema, ist da aber nicht so verquast, viel unterhaltender und Julia Roberts schmeichelt dem männlichen Auge auch viel mehr, als der Clooney …Interessant ist allerdings die Medienberichterstattung über diesen Film. Da wird von „politisch“ gesprochen, von „kritisch“ – geht es auch ein bisschen kleiner? Bei uns ist jeder Tatort kritischer, die Lindenstraße politischer.

Das ein solcher Film, der etwas verquast auf Kunst macht, aber einfach nicht seiner eigenen Geschichte dienen kann und letztlich völlig belanglos bleibt, für einen Oscar nominiert wurde, zeigt wieder mal, dass man sich bei der Oscar-Jury gern mal blenden lässt. Tilda Swinton, die den Oscar bekam, zeigt auch wirklich gutes Handwerk, keine Frage, ob sie besser war, als die anderen nominierten, kann ich nicht beurteilen, da ich die anderen Filme nicht gesehen habe. George Clooney zeigt aber nur ein hübsches Gesicht und sehr wenig schauspielerische Qualität, noch etwas, was den Film nicht gerade grandios macht …