Tage, an denen man sich erinnert …

Ich muss hier gerade mal etwas in die Tastatur heulen. Ist ja eigentlich nicht meine Art, aber ich habe gestern Abend eine Mail bekommen, die mich stolz, traurig und eigentlich sogar total fertig macht. Ich mein, es ist toll, aber ich halte es kaum aus. Die Mail liest sich so:

Wollte mich kurz melden und mich einfach bedanken für deine Unterstützung und Inspiration. Sollte jetzt 8 Jahre her sein das ich dich kennen gelernt habe und ich hätte nie gedacht das für mich die ganze Schauspiel Geschichte mal ernst wird. Letztendlich hab ich’s einfach versucht, Recht spontan bei ner privaten Schauspielschule in Köln vorgesprochen, Glück gehabt und diese Woche den Ausbildungsvertrag unterschrieben. Also, danke das du mich in gewisser Weise dahin gebracht hast !“

Lieber F. es ist eher zehn Jahre her, du warst in der vierten Klasse, ein Clown und absolut bezaubernd. Und du machst das jetzt richtig, ziehst das durch. Meine Fresse, ist das gut.

Für die Leser, die hier einfach nur so reingeschlittert sind, ich habe etwa zehn Jahre lang Theater gemacht, mit Kindern und Jugendlichen und natürlich auch Erwachsenen. Das ist jetzt sechs Jahre her. Und es fehlt mir jeden Tag. Jeden verdammten Tag. Vor sechs Jahren hatte ich das Unglück, dass sich eine minderjährigen Schülerin in mich verliebte, und ich zu doof und zu geschmeichelt und auch ein bisschen zurückverliebt war, und auch wenn nichts passierte, und ich mir nur vorzuwerfen habe, mich nicht zurückgezogen zu haben – irgendwann, als ich ihr eine Rolle nicht geben wollte in einem Stück, dass ich schreiben wollte, erzählte sie dann Geschichten, die ein bisschen Wahrheit und viel Fantasie enthielten, ihre Eltern zeigten mich an. Die Sache verlief, wie sie verlaufen musste, die Staatsanwaltschaft stellte die Sache ein. Für Juristen die klarste Form eines Freispruchs, aber es half mir nichts.

Wo ich vorher eine kleine Schauspielschule quasi allein aufgebaut hatte, durfte ich nicht mehr arbeiten. Menschen, die ich als Freunde betrachtet hatte, schafften es nicht, zu mir zu stehen. Mir zu helfen, mich zurückzuholen, gegen die Geschichten, die kursierten, dafür hätte es auch von deren Seite Kraft gebraucht, und Mut, und das kann man ja auch irgendwie nicht von anderen erwarten, oder?

Naja, ich bin Autodidakt. Womit kann ich mich irgendwo bewerben? Ich weiß, wie schwer es ist, von Null aufzubauen, denn ich habe es gemacht. Jetzt, nach der ganzen Sache von Depressionen und Panikattacken ganz klein, habe ich diese Kraft nicht mehr. Also kann ich auch nicht einfach woanders hingehen und alles noch mal durchmachen, mit zwei jungen Menschen anfangen, und zehn Jahre später mehr als dreißig Darsteller in drei Kursen haben. Ja klar, versucht habe ich das. Aber wo kommst du mit so einem Ding mal eben so an? Und den Beruf zum Hobby machen?Einfach mal so neben der Arbeit (ja, ich arbeite auch heute hauptsächlich mit Jugendlichen, ich gebe Nachhilfe. Nein, das ist nicht, was ich tun will, aber irgendwovon muss man ja leben) sich im Amateurtheater engagieren, wo ich vor knapp zwanzig Jahren die erste Regie führte? Ja, ich denke immer mal wieder drüber nach. Aber es fehlt so sehr die Kraft.

F. ist nicht der erste, von meinen ganzen SchauspielerInnen, der das beruflich machen will. Eine studiert in Frankfurt, wenn mich nicht alles irrt, eine anderen, eine der ersten, ist heute Theaterpädagogin, und im Gegensatz zu mir ist sie das sogar ausgebildet. Liebe R., auch das macht mich stolz – auch wenn ich mir manchmal denke, du hast das angefangen, weil du es besser machen wolltest, als ich.

Das Herz, das vor Stolz bersten will, das bricht vorher. Und es bricht eigentlich jedes Mal, wenn das Theater mich berührt. Ich hatte da keinen Beruf gefunden, sondern eine Berufung, ja, manchmal muss es eben das Klischee sein, wenn es nun mal stimmt.

Hey F. Du hast das hier mal geschrieben: „Mit zitternden Händen schreibe ich diese Zeilen und muss und die alten Zeiten denken,wo mein liebstes Hobby,Theater spielen,noch mit dir war…Ich hab das gerade gelesen und heule wieder, wie ich damals geheult habe, als ich das las. Eine andere – Hallo J.! – schrieb damals: “Ich hoffe du kommst bald wieder und bringst diesen besonderen Zauber mit, sonst gehen wir alle noch ein!!“ Kann ich mich damit irgendwo bewerben? Mit meinem Zauber?

Es gibt Tage, die sind echt schwer zu ertragen … vor allem die, an denen man sich erinnert …

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Von Courage … und vom Wrestling …

Lassen Sie uns kurz über Courage reden, Mut,oder wie immer man das auch sagen will, dass man irgendwie so durchs Leben geht, dass man sich nicht duckt, wenn es wichtig ist, sondern den Kopf irgendwie oben hält.

Mein Schreibanlass ist ein seltsamer, nächste Woche ist Wrestlemania, das ist der größte Event im Plan einer Showkampf-Organisation namens WWE. Und da ich von dem Quatsch nicht loskomme, werde ich am nächsten Wochenende wieder mal unzurechnungsfähig sein – wie, nur am nächsten Wochenende? Schnauze!.

Vor Wrestlemania werden wieder Menschen in die Hall of Fame eingeführt und bei dieser Zeremonie, die hauptsächlich von alternden Sportentertainern bevölkert ist, die erzählen, wie sie sich auf die Omme gehauen haben, und wie sie gefeiert und gesoffen haben und das sie früher einfach eine geile Zeit hatten, wird auch der Warrior-Award an ein Kind übergeben, dass sich gegen Krebs oder eine andere furchtbare Krankheit wehrt, gewehrt hat, und manchmal auch an Kinder, die es nicht geschafft haben.

Und da haben wir den ersten Schreibanlass. Courage im Angesicht einer Krankheit, nicht aufgeben, alles tun, was möglich ist. Ich denke, Courage ist hier eine Frage einer Entscheidung. Der Entscheidung, ob man leben will, oder ob man aufgibt. Kinder, die eine solche Krankheit haben, wachsen, so schrecklich das ist, mit dieser Krankheit auf, für sie ist die Krankheit Alltag. Ob Courage das richtige Wort dafür ist, sich ans Leben zu klammern? Aber es wirkt oft wie Courage, wenn man einfach nur nicht sterben will, also ist ein Award an solche Kinder auf jeden Fall eine schöne Geste. Und von einer Firma, die ihre Shows zu einem guten Teil ja für Kinder und Jugendliche macht, könnten schlechtere Gesten kommen.

Das Problem mit diesem Award ist der Namensgeber. Man hängt sich damit nämlich an den recht früh verstorbenen Ultimate Warrior. Einen populären Steroid-Bomber, der in den 80er und 90er Jahren aktiv, und nicht unumstritten war. Von seinem offenbaren Dopingdrogenproblem abgesehen, und davon, dass er seinen Nachnamen in Warrior änderte – wtf? -, es gibt von ihm auch einige wirklich widerliche homophobe Äußerungen.

Und jetzt ist das diese Frage, wie das mit Courage und dem Hass ist? Und natürlich mit der Meinungsfreiheit, denn es kommen natürlich immer wieder Leute an, die meinen, es sei ja nicht schlimm, wenn der Typ halt seine Meinung gesagt hat, Meinungsfreiheit ftw und tut ja keinem weh und so. Das stimmt nicht. Rassistisches und homophobes und sonstwie faschistoides Gehetz schadet ganz aktiv Menschen. Nämlich denen, die davon betroffen sind. Wie geht es denn einem jungen Wrestlingfan, der nun mal zufällig schwul ist, und der dann von seinem Idol, dem Ultimate Warrior, so eine Scheiße hört? Hetze ist verbale Gewalt.

Und kann man couragiert sein und gegen Schwule? Nein, kann man nicht. Wer gegen Minderheiten hetzt, hat keine Courage, sondern ist ein feiger Gesell, der schwächere herumschubst. Da auch alle Ausprägungen der Supremacy wie Homophobie, Rassismus, Antisemitismus, Sexismus usw. auf einem Weltbild beruhen, dass völlig angstbasiert ist („die nehmen uns die Arbeit und die Frauen weg, und die verschwulen die Gesellschaft“ und so weiter und so weiter, halt die ganze typische AfD-Winselei). Couragiert ist das Gegenteil von homophob, wer Courage hat, hätte niemals Angst davor, dass andere einander auf ihre Art lieben.

Es gibt keine mutigen Nazis, es gibt keine mutigen Faschisten, mutige Menschen hassen nicht.

Gedanken zu #metoo

#metoo ist eine Anklage. Und diese Anklage wird zu Recht in die Welt geschrien.

#metoo baut Fronten auf. Das ist verständlich, wie auch unumgänglich. Und doch ist die vermutlich einzige Möglichkeit, dass #metoo wirklich etwas bewegt, eine, die diese Fronten überwindet.

#metoo ist eine Anklage, aber wir müssen diese Anklage zu einer Anklage an die ganze Gesellschaft machen. Es ist nicht eine Gruppe, es ist die ganze Gesellschaft.

Übergriffiges Verhalten ist erlerntes Verhalten. Wir lernen früh, dass übergriffiges Verhalten richtig ist, weil wir als Kinder alle übergriffig behandelt werden. Aus der Erfahrung heraus, so behandelt zu werden, werden wir selbst zu Tätern. Und das fast ohne Ausnahme.

#metoo, ja natürlich „ich auch“. Ja, ich wurde auch selbst übergriffig behandelt, ja, ich habe auch selbst übergriffig gehandelt. Ich habe es so gelernt. #metoo

Wir können aus dem Kreis heraus. Wir können reflektieren, verstehen, was anderen weh tut, wir können unterlassen, was anderen weh tut. Wir können uns wehren, wenn uns jemand weh tut, hoffentlich können wir das.

Aber vor allem müssen wir lehren, nicht zu übergreifen. Wir können jedem Menschen, und sei er noch so jung, zugestehen, dass sein Körper sein Körper ist, seine Sexualität seine Sexualität. Und das es immer sein Recht ist, „Nein“ zu sagen, und wir sollten auch jedem Menschen das Selbstvertrauen geben, ein klares Nein zu sagen, und auch ein klares Ja.

Besitzrechte dürfen nicht mehr romantisiert werden, denn es gibt keine. Missbrauch von Macht muss artikuliert werden, wo immer er auftritt.

#metoo  ist eine Anklage.

#metoo ist eine Aufforderung.

Wir müssen so viel ändern, damit irgendwann #metoo verstummen kann.

#metoo

#wennGuteswenigerwird II

Da es schon einige Zeit her ist, dass ich über meine Abnahme gebloggt habe, sind es inzwischen auch schon ein paar Kilo mehr, die weg sind, heute Morgen waren es 22,9.

Am Ende der Zeit, in der ich das erste Mal über das Thema gebloggt habe, kam der erste Hammer. Zweieinhalb Wochen Plateau, keine Abnahme in Sicht. Ich habe den Sport erhöht, habe so weiter gegessen, wie zuvor, und es passierte nichts. Ein Phänomen, das glücklicherweise verbreitet ist und das man überall beschrieben sieht. Tun kann man daran nichts. Einfach weitermachen und winken, mehr ist nicht drin. Die Gründe für Plateaus sind vielfältig, Aber man muss gar keine Muskeln aufbauen oder sich viele Inkonsequenzen leisten, um solche Phasen zu haben. Wie mein Doc sagte, der Körper ist bei so einer massiven Abnahme stark damit beschäftigt, Hormone zu ändern und sich anzupassen, da kann vieles passieren.

Es gibt jede Menge Tipps im Internet, wie man aus den Plateau-Phasen wieder rauskommt. Sie sind ungefähr so hilfreich wie die Medikamente, mit denen Erkältungen nur eine Woche dauern, und wenn man sie nicht nimmt, sieben Tage. Der Körper nimmt sich diese Phasen, und man kann nur konsequent weitermachen, dann hören sie auch irgendwann auf. Ich habe es dann irgendwann mit dem Brecheisen versucht, habe zwei Tage lang mindestens eine Mahlzeit ausfallen lassen und mir auch sonst total auf die Finger geklopft, und plötzlich purzelten die Pfunde wieder. Ob die Ernährungsmaßnahme damit direkt zu tun hat, keine Ahnung. Seitdem sind knapp sieben Kilo weg und ich esse nicht anders, als während des Plateaus.

Recht schräg finde ich im Moment, dass es Menschen gibt, die mir sagen, dass ich sie irgendwie anrege, mehr Sport zu machen. Freunde, mit denen ich ein bis zweimal die Woche deren Hund ausführe, meinen, dass sie ohne mich weniger lang mit dem Hund gehen würden, ein Bekannter hat mich gefragt, ob wir uns mal zusammensetzen könnten, um über das Abnehmen zu sprechen, andere Freunde, bei denen ich momentan zweimal die Woche vorbeischaue, weil sie einen Folterkeller haben – ich dort also ein wenig Krafttraining machen kann – fühlen sich angesteckt und wir planen gemeinsame Walking-Runden. Wenn ich jetzt Menschen dazu inspiriere, mehr Sport zu machen oder abzunehmen, dann klingt das irgendwie paradox, ist aber auch irgendwie witzig.

Ich werde immer wieder darauf angesprochen, wie ich es schaffe, die ganze Sache durchzuhalten. Werde für meinen Enthusiasmus gelobt. Ganz ehrlich, ich wünschte mir, ich würde diesen Enthusiasmus auch öfter mal spüren. Ich erzähle schon jedem, den ich treffe, dass ich jetzt knapp 23 Kilo abgenommen habe – das beeindruckt so ziemlich jeden, ist cool. Warum erzähle ich es jedem? Weil ich von überall Zuspruch holen muss. Weil ich so oft keine Lust mehr habe. Weil mein Durchhaltevermögen eigentlich schon seit zwei Monaten aufgebraucht ist.

Ich zehre schon lange nicht mehr von dem Enthusiasmus des Anfangs, von meinem Durchhaltevermögen, und selbst die Erfolge – die nicht zu leugnen sind – oder der Zuspruch von allen Seiten kann mich wirklich durch die vielen blöden Momente bringen. Und es gibt wirklich viele. (Hey, ich bin zuckersüchtig, und es ist recht kompliziert, den Suchtstoff ganz zu vermeiden.) Das einzige, was mich wirklich dran bleiben lässt, ist eine Entscheidung. Die Entscheidung zu leben. Ich kann nicht aufhören, bevor ich fünfzig Kilo abgenommen habe, ich sollte nicht aufhören, bevor ich mindestens 65 Kilo abgenommen habe – und selbst dann werde ich noch als übergewichtig gelten. Wollte ich gut ins Normalgewicht kommen, müsste ich mein Anfangsgewicht glatt halbieren. Daran bin ich nicht interessiert. Wenn ich es schaffe, unter die Adipositas-Schwelle zu kommen, dann wäre ich schon mehr als zufrieden und von mir selbst überrascht.

Warum will ich nicht normalgewichtig werden, oder vielleicht sogar idealgewichtig? Weil es nicht zu meinem Selbstbild passt, weil es nicht zu meiner Persönlichkeit passt. Dann eher möglichst viel Gewicht in Muskeln umbauen, zu spargelig möchte ich gar nicht werden. Mir geht es darum, gesünder zu werden. Aber die Gesundheit muss auch mit Zufriedenheit zusammen kommen. Ein Leben mit dauerhaft 1500 Kalorien pro Tag, das ist eher nicht spannend, auch nicht so richtig glücksverheißend, zumindest für mich. Ich mag mich heute nicht, an Tagen, an denen es nur 1500 Kalorien sind, ich möchte so nicht mein ganzes Leben essen. Askese interessiert mich nicht.

23,1 kg Abnahme

Ich bin auf einem kleinen Plateau gefangen, aber das war eigentlich klar. Immer, wenn man den Sport intensiviert, bleibt die Abnahme erstmal stehen. Warum? Wegen Muskelaufbau und zusätzlichem Wassereinlagern der Muskeln. Nebenbei ist es im Moment auch noch recht warm, auch das bringt ja zusätzliche Wassereinlagerung. Wenn ich also im Moment nicht vorwärts komme, so ist das kein Zufall.

Ja, warum denn jetzt auch noch Krafttraining? Reicht denn das Nordic Walking nicht mehr? Naja, es ist einerseits einfach die Einseitigkeit des Nordic Walkings, die ich auffangen will, und andererseits hat Ausdauersport ja eh den Nachteil, dass er Muskeln eher wegtrainiert. Also spiele ich ein bisschen mit Gewichten herum. Und ja, das ist schon recht anstrengend, aber auch spannend. Beim ersten Mal gab es natürlich brutale Muskelkatzenangriffe. Aber inzwischen komme ich einigermaßen klar. Es war ja auch gar nicht anders zu erwarten. Wenn Muskeln angesprochen werden, die man sonst kaum mal nutzt, dann führt das auch zu Schmerzen. Und es ist schön, wenn es zwischendurch mal Übungen gibt, die einem dann doch gar nicht so viel ausmachen.

Abnahme 25,1 kg

Jawohl, das Minimalziel für dieses Jahr ist erreicht, nach 134 Tagen ist es erreicht. (Dabei ist das noch nicht mal der genaue Wert, es sind 134 Tage seit dem Wiegen im Krankenhaus, von dem ich aus rechne, meine Ernährung habe ich allerdings erst etwa zehn Tage später umgestellt. Es dauerte aber danach noch ein paar Tage, bis ich eine Waage hatte, die mich aushält.)

Als ich das Minimalziel für dieses Jahr auf 25 Kilogramm setzte, hörte sich das für mich extrem ehrgeizig an. Klar kann man innerhalb weniger Wochen mal zehn Kilo abnehmen, aber das ist was anderes, als konstant und gesund größere Mengen abzunehmen. 25 Kilogramm waren als Zahl einfach recht massiv. Andererseits habe ich von Anfang an gesagt, wenn es mehr wird, umso besser.

Wie geht es jetzt weiter? Naja, fast genauso wie bisher. Allerdings mit ein wenig gelockerter Diätdisziplin. Groß will ich gar nichts ändern, hier und da eine Ausnahme mehr, aber dann ist es auch gut. Aber ich muss mich im nächsten Semester etwas mehr um mein Fernstudium kümmern, und wenn es geht, ein bisschen aufholen, was ich dieses Semester so alles nicht geschafft habe. Das kann ich nicht mit dem bisherigen Kaloriendefizit. Außerdem ist mir klar, dass ich die bisherige Sportdichte nicht halten kann. Da wird schlicht das Wetter vor sein.

Hab heute meine Statistik des letzten Monats in einen Tweet gepackt:“ Statistik August: 158km, 40h Sport, 4000 Höhenmeter, 24000 Kalorien. Abnahme (1.8.-3.9.) 6,9 kg, Gesamtabnahme 25,1 kg #wennGuteswenigerwird“ Wenn ich in den Herbst- und Wintermonaten so 100 bis 120 Kilometer schaffe, dazu noch zweimal die Woche Krafttraining einlege, dann wäre ich damit auch zufrieden. 40 Stunden Sport sind eine ziemliche Menge, diese Stunden fehlen halt auch häufig bei anderen Dingen. Auch die fast sieben Kilo in einem Monat, die ich im August geschafft habe, sind ein schönes Ergebnis, aber nichts, was ich jetzt auf Teufel komm raus auch in den nächsten Monaten jedes Mal schaffen muss.

Und hier ist der Weg natürlich nicht besonders breit. Ein paar mehr Ausnahmen, etwas weniger Sport, wie weit ist der Weg zur Stagnation? Wie weit zu Rückschritten? Gar zum Rückfallen in alte Muster? Aber ich hoffe einfach, dass so lange ich das reflektiere, das nicht unbedingt zu einem Problem wird. Bisher konnte ich kleine Ausfälle immer wieder kompensieren, beziehungsweise zur Disziplin zurückkehren.

Zum ersten Mal seit vermutlich vielen Jahren unter drei Zentner schwer …

Wieder so ein kleiner Triumph, und er nächste steht schon vor der Tür, ein Kilo weiter und ich habe 15 Prozent meines Ausgangsgewichtes abgenommen. Einerseits wird man natürlich ein bisschen süchtig nach diesen kleinen Triumphen, so ähnlich wie beim Krafttraining, wo man sich auch freut, dass heute fünf Kilo mehr gehen, als letzte Woche noch. Aber wie schon wahrscheinlich mehrfach gesagt, man muss sich ja auch seine Motivationen überall zusammenkratzen, wo man sie findet. Im Prinzip befinde ich mich in einer inzwischen 120tägigen Trainingsphase. Es wird einem mit der Zeit doch was lang …

Ein paar Wochen später, 28,6 kg Abnahme bisher.

Der September ist nun vorbei, und er war nicht so erquicklich, was die Fortschritte angeht. Gerade mal dreieihalb Kilo mehr abgenommen, das ist nach dem sehr erfolgreichen August natürlich eher so meh. Andererseits sagen mir Menschen, wie sehr ich mich verändert habe, mein Hausarzt fängt fast an zu tanzen, wenn ich ihm mein neues Gewicht nenne. Und ich bräuchte die nächsten Tage mal wieder ein neues Loch im Gürtel, ich habe mich daran gewöhnt, dass ich die Lochzange zumindest alle zwei Wochen hervorkramen muss.

Noch mal an das von oben angeknüpft: Mir wird gesagt, es sei bewunderungswürdig, was ich mache. Ich halte das für Unsinn. Das geht in eine ähnliche Ecke wie „Wie mutig sie ihr Leben angehen“ an jemanden im Rollstuhl, die Rückfrage ist doch immer: „Wie denn sonst?“ Ja, klar, ich kann auf Zeit spielen, ich kann auf mein Glück hoffen, ich kann auch sagen, wenn ich in nem Jahr morgens nicht mehr aufwache ist mir das egal. Isses aber nicht, also versuche ich das Problem zu lösen. Weil es eben nicht anders geht. Weil die Alternative eben gefährlich für mein Leben wäre.

Das heißt natürlich nicht, dass ich verurteilen will, wer in einer ähnlichen Situation anders entscheidet. Wir alle haben unterschiedlich viel Wille zu leben, wir alle haben unterschiedlich viel Kraft – und glaubt mir, meine ist so oft nicht mehr da und ich mach nur weiter, weil ich echt stur sein kann – wir alle haben unterschiedliche Arten mit Risiko umzugehen. Abgesehen davon – für manche stellt sich die Frage nicht, die sind auch bei hohem Übergewicht ziemlich gesund, und nicht zuletzt: Niemand hat das Recht, anderen vorzuschreiben, wie sie ihren Körper fördern oder schädigen. Ich halte es für verrückt und gesundheitlich sehr schädigend, siebzig und mehr Stunden pro Woche zu arbeiten, und ich schädige meinen Körper weder mit Alkohol noch mit Nikotin, aber wer solche Dinge tun will, darf das gerne tun, hier entlang geht es zur Kreuzigung, jeder nur sein Kreuz.

Noch eine Kleinigkeit: Ich habe inzwischen annähernd meine gesamte Kleidung der Größe 5XL aussortiert. Wenn jemand was davon braucht, ich hätte da jede Menge Shirts und Hemden, einige Cardigans. Es ist echt seltsam, diesen Punkt zu erreichen. Aber die Sachen, die zum größten Teil vor fünf Monaten eng an meinem Körper anlagen, sind mir inzwischen grotesk zu groß. Ich kann fast wieder in normalen Abteilungen Klamotten kaufen, Hosen gehen schon, bei Shirts und Jacken brauche ich noch 3XL, was es meistens nur in den Übergrößenabteilungen gibt. Außerdem werde ich diesen Winter einige Pullover tragen, die schon seit mindestens zehn Jahren aus der Mode sind … ich schmeiße selten was weg.

Der Fall Bivsi

Ich will gar nicht viel erklären, wer das nicht mitverfolgt hat, kann hier mal schauen. Oder mal googlen, geht ja.

Also, Bivsi ist wieder in ihrer Heimat, in Deutschland, wo sie geboren wurde. Das ist toll. Und der Fall ist ein wunderschönes Beispiel dafür, wie bigott unsere Medien, und durchaus auch unsere Gesellschaft, sind, oder auch ist. Denn dieser Fall zeigt ja eigentlich, wie unser Rechtsstaat langsam aber konsequent arbeitet.

Bivsi wurde zwar in Deutschland geboren, aber der Asylantrag ihrer Eltern wurde abgelehnt, und geht man nur nach dem, was so viele ständig hochhalten, müsste der Fall Bivsi eigentlich ein Skandal sein. Denn man hat doch jetzt alles Mögliche in Bewegung gesetzt, damit das Mädchen wieder zurück konnte. Da gehen Behörden, die sie und ihre Eltern fröhlich abgeschoben haben, her und suchen proaktiv Umwege, über die sie zurück kann. Und alle so yeah!

Man verstehe mich nicht falsch ich auch so yeah, ich freue mich für die Familie, alles gut. Aber hier wird ein Einzelfall groß gefeiert, Politiker gebärden sich als Wohltäter. Die Medien freuen sich. Die gleichen Medien, die sonst über Abschiebezahlen berichten, ohne dass ihnen dabei schlecht wird. Ein Mädchen samt ihren Eltern darf zurück. Von den  Geflüchteten, die nach Afghanistan in die Fänge der Taliban abgeschoben werden, berichtet niemand. Oder von denen, die zu Hunderten im Mittelmeer ertrinken, mit der ausdrücklichen Zustimmung unserer Regierung.

Der Fall Bivsi beruhigt jetzt die Gemüter – bis auf vielleicht die Gemüter von ein paar Nazis, die schäumen, aber die schäumen ja eh immer. Aber wir sollten nicht beruhigt sein, denn es ist schlicht nicht in Ordnung, dass wir das Menschenrecht auf Asyl mit Füßen treten. Die ganze Diskussion ist so vergiftet und krank, Rassisten und rassistische Politik werden gefeiert, und die Medien überschlagen sich ständig, solche Leute zu hoffieren und ihnen Plattformen ohne Ende zu geben. Da dürfen wir uns von so einem Fall Bivsi einfach nicht beruhigen lassen.

Noch zwei Dinge wären zu überlegen. Erstens: Wäre der Fall Bivsi für die Medien genauso schön gewesen, wenn ihre Eltern nicht Nepalesen, sondern Nigerianer gewesen wären? Allgemein ist der Rassismus gegenüber Asiaten weniger ausgeprägt als gegenüber Schwarzen. Zweitens: Man kann sich denken, was die Konsequenz aus diesem Fall ist. Nicht, dass Menschen weniger abgeschoben werden, nicht, dass auch nur die Menschen nicht abgeschoben werden, die gut integriert sind – und warum zum Teufel soll das ein Grund sein, Menschen eher ihre Menschenrechte zuzugestehen, als anderen? – die Konsequenz wird sein, dass niemand mehr so dumm ist, Schüler aus ihrer Klasse heraus abzuschieben. Die Behörden kommen dann halt nicht mehr um elf, sondern morgens um halb fünf. Mit solchen Zeiten hat man in Deutschland viel Erfahrung.